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Race-Report:

ADAC-Zürich-24h-Rennen

39. ADAC-Zurich 24h-Stunden-Rennen

23.-26. Juni 2011 - Nürburgring-Nordschleife:

Racing-Krimi in der Eifel:

- Fortsetzung von
Seite 1 -

Das Wochenende im Detail:

Das freie Training:
Das regnerische freie Training nutzten die beiden Teams zunächst für letzte technische Belange, wie das Einfahren von Bremsbelägen oder abschließende Funktionstests der zahlreichen neu verbauten Teile. Das die beiden Renner wieder einmal perfekt vorbereitet an den Ring gebracht wurden zeigte sich dann am Ende des Trainings, als beide BMW ohne ein einziges technische Problem wieder zurück in die Boxen kamen.

Die Zeittrainings:
Im ersten freie Zeittraining drehten die Piloten der beiden Teams zunächst die vorgeschriebenen Pflichtrunden, um die Qualifikation für das Rennen zu erfüllen. Im BMW Z4 erwischte Werner Gusenbauer dabei gleich zwei einigermaßen freie Runden im dichten Verkehr und konnte mit einer Zeit von 10:07,8 die schnellste Runde des Teams markieren. Bemerkenswert war die Zeit schon deshalb, weil das Team bewusst kein Risiko eingehen wollte und auch zu diesem Zeitpunkt die neuen Reifen für das Rennen schonen wollte, sodass man ausschließlich auf bereits gefahrenen Slicks unterwegs war. Später wurde diese Runde jedoch aberkannt, da das Z4-Team angeblich zu schnell in der Boxengasse unterwegs war. Obwohl man anhand der Datenaufzeichnung des Teams den Verstoß widerlegen konnte, blieb die Rennleitung bei ihrer Entscheidung, sodass lediglich die zweitschnellste Runde von Werner Gusenbauer für die Startaufstellung gewertet wurde. Da Gusenbauer in seiner zweiten Runde mit 10:08,0 nur unwesentlich langsamer unterwegs war, war der Verlust nicht besonders schmerzlich und die Entscheidung der Rennleitung wurde letztlich akzeptiert. Für das australische Trio war es Paul Stubber, der mit seiner Zeit von 10:20,9 den Platz in der Startaufstellung sicherte.
In den Nachstunden des ersten Zeittrainings wurden dann lediglich noch ein paar sogenannte “Besichtigungsrunden” als letzte Vorbereitung auf die Nachstunden des Rennens gefahren, ohne auf die Rundenzeiten zu achten. Und da die Positionen in der Klassen dann auch schon ziemlich fest bezogen waren, konnten beide Teams sogar ganz auf das zweite Zeittraining verzichten und die beiden Renner bereits für den Rennstart am Samstag vorbereiten.
    
Trainingsergebnisse / Startaufstellung:
Team #1: BMW Z4  “BTI-Orange-Racing”:
Platz 6 (von 12 Team in der Klasse V5)
schnellste Runde = 10:08,022 (Werner Gusenbauer)
Team #2: BMW M3  “Team Australia”:
Platz 11 (von 12 Team in der Klasse V5)
schnellste Runde = 10:20,946 (Paul Stubber )

Das Rennen:

Start und die ersten Stunden
Bereits zwei Stunden vor Rennbeginn mussten die Autos ihre Position in der Startaufstellung einnehmen, und zu diesem Zeitpunkt herrschte wieder mal typisches Eifelwetter: Regen! Also entschied sich das Team wie fast alle Teilnehmer, beide Autos mit Regenreifen auszurüsten. Bis dann endlich um 15:40 die Einführungsrunde begann und um 16:00 schließlich die Startampel auf grün geschaltet wurde, hatte der Regen aber schon länger aufgehört und so kam was kommen musste: Die rund 200 Fahrzeuge auf der Strecke fuhren die Idealline sehr schnell trocken und die Regenreifen mussten sehr schnell gegen profillose Slicks getauscht werden. Dabei entschied sich das Z4-Team bereits nach nur einer Runde für den Wechsel, um von der bis dahin noch freien Boxengasse zu profitieren. Das M3-Trio folgte eine Runde später. Durch die geschickte Strategie konnten beide Stopps ohne großen Zeitverlust absolviert werden und so fuhren beide Mannschaften ohne Platzierungsverlust in die Abendstunden des Rennens. 

Die Nachtstunden:
Die Nachtstunden des Rennens verliefen dann schon fast wie gewohnt für das Team Extreme-Racing. Dank der perfekten Vorbereitung liefen die beiden BMW wie das berühmte Uhrwerk und die Positionen konnten schnell gefestigt werden. Das Australische Trio, in den späten Abendstunden und zu Beginn der Nacht bis auf den sechsten Platz in der Klasse nach vorne gefahren, konnte sich sogar bis zu drei Runden vom Siebtplazierten absetzen. Nach vorne fehlten dagegen zwei Runden auf die nächste Gruppe. Hier war eine Dreiergruppe unterwegs, die eng zusammen lag und je nach Boxenhalt die Plazierung tauschte. Mittendrin der BMW Z4 des Teams Extreme-Racing, der zu diesem Zeitpunkt mit einem eher ausgefallenen Problem unterwegs war: nach nur einem Stint ab Abend musste Erich Trinkl die Segel streichen, zu sehr rebellierte an diesem Wochenende sein Magen und an eine Fortsetzung des Rennens war nicht zu denken. Somit waren die übrigen drei Piloten Werner Gusenbauer, Rainer Kathan und Andreas Herwerth fortan auf sich alleine gestellt, was aber der schnellen Pace keinen Abbruch tat. Lediglich die Tatsache, dass die beiden erstplazierten der Klasse an diesem Wochenende in einer eigenen Liga fuhren und an der Spitze ein Höllentempo vorlegten, dem der Rest des Feldes nicht folgen konnte, dämpfte zu diesem Zeitpunkt etwas die Stimmung.

Die Morgenstunden / bis zum Mittag:
Die Morgendämmerung brachte zunächst keine Veränderungen. Trotz Nieselregen in der Nacht fuhren alle Teams fehlerfrei ihre Runden. An der Spitze lagen unverändert die beiden BMW Z4 von MK-Motorsport und Black-Falcon, mit Respektabstand folgte unverändert das Trio mit dem BTI-Z4 des Teams Extreme-Racing, dem M3 der Thiemann-Truppe und einem weiteren Black-Falcon-BMW. Die drei lagen unverändert eng zusammen, sodass nach wie vor mit jedem Stopp die Positionen wechselten. Auf einem mehr als komfortablen sechsten Platz lag in den Morgenstunden immer noch das australische Team Gartner/Stubber/Stubber, ab leider nur bis gegen 6:20 Uhr. In der 81ten Runde des Rennens geriet Ray Stubber, der zu diesem Zeitpunkt am Steuer des M3 saß, am Ausgang der zweiten Brünnchen-Kurve außen auf die glatten Kerbs und drehte sich nach innen ein. Was folgte war ein herzhafter Einschlag in die Leitplanken, bei dem Vorder- und Hinterachse, Lenkung und Motorlager des M3 stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zwar brachte Ray den M3 später noch an die Box, aber durch die Weiterfahrt abseits der Rennstrecke wurde nun auch noch der Motor in Mitleidenschaft gezogen, denn durch den Aufprall hatte sich unbemerkt der Kühlerlüfter verklemmt, soadass nach dem Rückweg zu den Boxen alle Zeiger auf Rot standen und das nahe Ende des Triebwerks verkündeten. Somit waren alle Pläne einer Reparatur aussichtslos und der M3 verschwand in den Tiefen der Boxen. 

Der Nachmittag:
Die Nachfolgenden Stunden brachten zunächst nur wenig Veränderung. Das Duo an der Spitze drehte unverändert die schnellsten Runden in der Klasse, und trotz des möderischen Tempos blieben die beiden technischen Problemen verschont. Im Verfolgertrio dagegen gab es eine erste Vorentscheidung, als der Thiemann-M3 einen längeren Stopp einlegen musste und sich somit aus dem Verfolgertrio verabschiedetet. Somit stand fest, dass die Entscheidung um Platz drei zwischen dem Black-Falcon-BMW und dem BTI-Z4 fallen würde. Und dem Team Extreme-Racing wurde schnell klar, dass man die Serie der Podiumpaltzierungen beim 24h-Rennen nur dann fortsetzen wird, wenn ab jetzt ein fehlerfreier Schlussspurt gezeigt wird.
So angespornt folgte um 10:30 wieder einmal ein Highlight der Mechanikercrew. Die Extreme-Racing-Mechaniker schafften es, in gerade mal fünfeinhalb Minuten den Z4 einmal mehr vollzutanken und anschließend sämtliche Bremsbeläge des BTI-Renners zu erneuern, um den Wagen für die Schlussrunden fit zu machen. In dieser Rekordzeit mit frischen Bremsen ausgestattet ging der Z4 zurück auf die Strecke und lag unverändert knapp vor bzw. hinter dem Black-Falcon-BMW, je nach dem welches Team zum Tanken und Fahrerwechsel gerad die Boxen ansteuerte. Gegen 14 Uhr waren es dann unverändert wenige Sekunden, die die beiden trennten, und so waren für eine Entscheidung jetzt die Rechenkünste des Teams gefordert. Nach der Analyse der Boxenstopps das Gegners stand dann schnell fest, dass dieser bis zum Zieleinlauf etwas länger an den Boxen stehen würde, also war der dritte Platz tatsächlich machbar. So entschied sich das Team Extreme-Racing, noch einmal frische Reifen auf den BTI-Renner aufzuziehen und mit Werner Gusenbauer den schnellsten Piloten des Teams hinter das Steuer zu setzen.
 

Die Schlussrunden:
Was folgte war ein Krimi, der aus der Feder von Alfred Hitchcock stammen könnte. Beim letzten Stopp in Runde 124, bei dem Gusenbauer den Z4 übernahm, ging er mit 25 Sekunden Rückstand zurück auf die Strecke, aber dank der frischen Reifen konnte er voll attackieren und mit jeder Runde den Rückstand verkürzen. In Runde 128 folgte dann schließlich der Überholvorgang, Gusenbauer traf den Anstieg nach der Dunklopkehre perfekt und konnte den Konkurrenten regelrecht stehen lassen. Als dieser dann wie berechnet in Runde 129 zum Nachtanken in die Boxen abbog, schien die Rechnung endgültig aufzugehen, aber es bleib eine Zitterpartie. Denn in Runde 131 musste auch der Z4 noch einmal für wenige Liter in die Boxen. Aber auch dieser letzte von insgesamt 18 Boxenstopps verlief perfekt und so ging Gusenbauer mit genügend Restvorsprung in die letzte Runde. Dort stand zwar noch einmal ein Teilnehmer einer anderen Klassen im Weg, der offensichtlich die letzte Runde schon im Auslaufmodus bestritt, aber auch dieser Nervenkitzel wurde überstanden, wenn auch nur mit einer leichten Berührung der beiden. So überquerte letztlich Werner Gusenbauer nach 132 Runden die Ziellinie mit 38,8 Sekunden Vorsprung auf einem spektakulär erkämpften dritten Rang in der Klasse V5.
Auch in der Gesamtwertung schlug sich das Team wieder mal hervorragend, von Platz 125 der über 200 Teilnehmer zu Beginn des Rennens hatte man im Verlauf zahlreiche schnellere Konkurrenten geschlagen und sich bis auf den 42ten Platz nach vorne gefahren. Und das alles beim allerersten 24h-Einsatz des neuen, noch wenig erprobten und teilweise noch unbekannten Z4-Renner !!
  
Rennergebnis:
Team #1: BMW Z4  “BTI-Orange-Racing”:
Fahrer:
Werner Gusenbauer - Andreas Herwerth -
Rainer Kathan - Erich Trinkl
Fahrzeug:
BMW Z4 #230 - Klasse V5
Plazierung nach 24 Stunden Renndistanz:
Platz 3 in der Klasse V5 (12 Teams gestartet)
Platz 42 in der Gesamtwertung (202 Teams gestartet)
zurückgelegte Distanz: 132 Runden (=3.349,9 km)
Schnellste Runde: 10:11,235 Minuten (Werner Gusenbauer)

Team #2: BMW M3  “Team Australia”:
Fahrer:
Richard Gartner - Paul Stubber - Ray Stubber
Fahrzeug:
BMW M3 E36 #231 - Klasse V5
Plazierung nach 24 Stunden Renndistanz:
Ausfall nach 14:55,5 Stunden
zurückgelegte Distanz: 80 Runden (=2.030 km)
Schnellste Runde: 10:10,288 Minuten (Paul Stubber)
 


(Text: Burkhard Gerdes - Bilder: Werner Röder - box-34.de)